Pacing – strukturiert statt zufällig.
pacing.de entwickelt ein strukturiertes Selbstmanagement-Programm für Menschen mit Fatigue – in einem modernen Format, das sich im eigenen Tempo bearbeiten lässt. Es eignet sich zur eigenständigen Nutzung ebenso wie zur ärztlich oder therapeutisch begleiteten Anwendung zwischen zwei Behandlungsterminen.
- Evidenzorientiert
- Praxisnah
- Klinisch erprobt
Was ist Pacing?
Pacing ist eine Selbstmanagement-Strategie bei Fatigue-assoziierten Erkrankungen wie postinfektiösen Syndromen (z. B. Long Covid) und ME/CFS. Ziel ist, Belastung so zu steuern, dass Überlastungsreaktionen (PEM) seltener auftreten und der Alltag planbarer wird. Grundlage ist die persönliche Baseline: das Aktivitätsniveau, das sich verlässlich halten lässt.
Pacing bedeutet weder übermäßige Schonung noch Durchhalten. Das erste Ziel ist Stabilität – weniger Rückschläge, mehr Tage, die so verlaufen wie geplant. Für viele Betroffene ist das bereits das eigentliche Ziel. Ob und wie weit sich die Baseline danach erweitern lässt, hängt von Erkrankung und Verlauf ab und gehört in das Gespräch mit den Behandelnden. Pacing schafft die Grundlage dafür – und sorgt dafür, dass eine Erweiterung, wenn sie möglich ist, in kleinen und sicheren Schritten geschieht.
Verankert in den Leitlinien(öffnet in neuem Tab) zu Long Covid, ME/CFS und anderen postakuten Infektionssyndromen.
Worum geht's dabei?
Viele Betroffene kennen das Push-und-Crash-Muster: an guten Tagen zu viel, danach der Einbruch – oft verzögert um Stunden oder Tage. Pacing durchbricht dieses Muster: Statt sich vom Tagesgefühl leiten zu lassen, bleibt Belastung bewusst innerhalb des eigenen Belastungsfensters.
Was Pacing bewirkt
Was sich dadurch verändert
Weniger Überlastungsreaktionen
PEM-Episoden werden seltener und weniger schwer.
Vorhersehbare Tage
weniger Schwankungen, mehr Verlässlichkeit in der Planung.
Von der Abwärts- in die Aufwärtsspirale
Wer weniger Rückschläge erlebt, gewinnt Stabilität – und aus Stabilität kann, wo der Verlauf es zulässt, Schritt für Schritt Spielraum werden.
Kontrolle und Selbstwirksamkeit
die eigene Erkrankung wird lesbar und beeinflussbar statt unberechenbar.
Wachsender Handlungsspielraum
erst Stabilität, wenn möglich behutsame Erweiterung.
Noch Fragen?
Häufige Fragen
Was ist Fatigue?
Fatigue bezeichnet eine dauerhafte, übermäßige Erschöpfung, die sich durch Schlaf und Erholung nicht ausreichend ausgleichen lässt. Sie betrifft körperliche und geistige Energie gleichermaßen und ist keine eigenständige Erkrankung, sondern Symptom vieler Erkrankungen – etwa nach Infektionen (Long Covid, ME/CFS), bei Autoimmun- und chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Multipler Sklerose oder im Rahmen von Krebserkrankungen. Fatigue ist etwas anderes als Alltagsmüdigkeit oder Burnout und keine psychische Erkrankung.
Was ist Pacing?
Pacing ist eine Selbstmanagement-Strategie bei Fatigue-assoziierten Erkrankungen wie postinfektiösen Syndromen (z. B. Long Covid) und ME/CFS. Ziel ist, Belastung so zu steuern, dass Überlastungsreaktionen (PEM) seltener auftreten und der Alltag planbarer wird. Grundlage ist die persönliche Baseline: das Aktivitätsniveau, das sich verlässlich halten lässt.
Was ist PEM (Post-Exertionelle Malaise)?
PEM ist eine oft verzögert eintretende Verschlechterung der Symptome nach körperlicher, kognitiver oder emotionaler Belastung. Sie ist das Leitsymptom bei ME/CFS und häufig bei Long Covid. Pacing zielt darauf, PEM zu vermeiden.
Was bedeutet Baseline beim Pacing?
Die Baseline ist das Aktivitätsniveau, das sich verlässlich durchhalten lässt, ohne einen Rückschlag auszulösen. Sie ist nicht das Maximum, sondern das, was stabil wiederholbar ist. Erst wenn diese Stabilität erreicht ist, wird behutsam erweitert.
Was ist ein Push-und-Crash-Muster?
An guten Tagen wird viel nachgeholt („Push“), einige Stunden oder Tage später folgt der Einbruch („Crash“) – meist als PEM. Über Wochen entsteht daraus eine Abwärtsspirale: Die guten Tage werden seltener, die Grenzen enger. Pacing durchbricht dieses Muster, indem Belastung nicht am Tagesgefühl, sondern an der Baseline ausgerichtet wird.
Für welche Erkrankungen ist Pacing geeignet?
Pacing wird in Leitlinien für Long Covid, ME/CFS und andere postakute Infektionssyndrome empfohlen. Das Prinzip lässt sich auch auf andere energielimitierende Erkrankungen übertragen.
Was ist PAIS?
PAIS steht für „postakute Infektionssyndrome“ – anhaltende Beschwerden, die nach einer Infektion bestehen bleiben, obwohl der Erreger selbst überwunden ist. Dazu zählen Long Covid bzw. das Post-COVID-Syndrom, ME/CFS und ähnliche Zustände nach anderen Infektionen (z. B. Influenza oder Epstein-Barr-Virus). Typisch sind Fatigue, Belastungsintoleranz (PEM), kognitive Einschränkungen und Kreislaufbeschwerden. In Deutschland ist die Erforschung dieser Erkrankungen seit 2026 Schwerpunkt der Nationalen Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen.
Was ist die Nationale Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen?
Eine 2026 gestartete, auf zehn Jahre angelegte Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Sie bündelt Forschung zu Long Covid, ME/CFS und weiteren postinfektiösen Erkrankungen – von Grundlagen und Ursachen bis zu klinischen Studien und Versorgung – und ist mit rund 500 Millionen Euro ausgestattet. Ziel ist, Diagnostik und Behandlung dieser bislang unzureichend versorgten Erkrankungen zu verbessern. Mehr unter bmftr.bund.de(öffnet in neuem Tab)
Ist Pacing evidenzbasiert?
Pacing wird in nationalen und internationalen Leitlinien empfohlen, u. a. in der AWMF-Leitlinie Long/Post-COVID und der britischen NICE-Leitlinie zu ME/CFS (NG206). Die Evidenz stützt sich vor allem auf Beobachtungsdaten, systematische Patient:innenbefragungen und klinische Erfahrung; große randomisierte Studien zu strukturiertem Pacing fehlen bislang. Pacing gilt als sicher und wird als Standard empfohlen, weil schematische Belastungssteigerungen bei PEM zu Verschlechterungen führen können.
Ist Pacing dasselbe wie Aktivierungstherapie oder Graded Exercise?
Nein. Pacing orientiert sich an den aktuellen Grenzen und vermeidet Überlastung; eine schematische Steigerung nach festem Plan ist bei PEM nicht geeignet. Erweiterung erfolgt beim Pacing nur, sofern indiziert, und erst nach erreichter Stabilität.
Darf ich mit Fatigue Sport treiben oder trainieren?
Das hängt stark von der individuellen Situation ab. Klassische aktivitätssteigernde Programme sind bei Fatigue mit PEM oft zu viel und können Rückschläge auslösen. Das heißt nicht, dass Bewegung grundsätzlich schadet – Belastung und Erholung müssen bewusst geplant und aufeinander abgestimmt sein. Auch wenn eine Steigerung möglich ist, bleibt Pacing die Grundlage: erst eine stabile Baseline, dann behutsame, PEM-sensible Schritte. Bei Unsicherheit lohnt es sich, das Vorgehen mit den behandelnden Ärzt:innen oder Therapeut:innen abzustimmen.
Was bedeutet „Belastungsfenster“?
Das Belastungsfenster ist der Bereich, in dem Aktivität ohne Rückschlag möglich ist. Bei vielen Fatigue-Erkrankungen ist dieses Fenster nach Erkrankungsbeginn deutlich kleiner als zuvor – und es verändert sich mit der Zeit. Pacing hilft, das aktuelle Fenster zu erkennen, darin zu bleiben und es erst dann behutsam zu erweitern, wenn Stabilität erreicht ist.
Für wen ist pacing.de?
Für ärztliche und therapeutische Teams, die Pacing strukturiert vermitteln wollen, und für Betroffene, für die ein Selbstmanagement-Programm entsteht.

Wer dahinter steht
Dr. med. Thomas Lenzen
Arzt mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung digitaler Gesundheitsprogramme. Begleitet Menschen mit Fatigue-Erkrankungen in seiner eigenen Pacing-Sprechstunde und kennt Fatigue auch aus eigener Erfahrung. Entwickelt pacing.de gemeinsam mit Betroffenen und Fachpersonen.